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März - Winter Trips

Mrz 2005 - Winter Trips

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Der Monat Mrz ist in Halley immer ein besonders spannender Monat, weil die berwinterer, nachdem das Schiff Halley zum letzten Mal fr dieses Jahr verlassen hat, ihre Wintertrips beginnen. Diese Winter Trips sind unsere Art Urlaub zu machen und fr die meisten die erste Gelegenheit, die Station zu verlassen und die richtige Antarktis zu erleben. Die Organisation der Winter Trips basiert auf dem buddy system (jeweils zwei Leute sind bei Wanderungen oder Fahrten auf dem Schneemobil durch von Gletscherspalten durchzogenes Gelnde mit einem Seil verbunden, ausserdem teilen sie das Pyramidenzelt etc.). Daher machen meist vier Leute gemeinsam eine Tour. Immer dabei ist Ian, unser Field Assistant, der die Tour fhrt, uns die entsprechnenden Techniken beibringt und aufpasst, dass alle wieder heil zur Station zurueckkommen (Vielen Dank Ian!).

Ian schaut auf mich in der Gletscherspalte herunter

Ian schaut auf mich in der Gletscherspalte herunter (Photo Petra Schmidt)

Die erste Gruppe konnte kurz nachdem die RSS Ernest Shackleton abgefahren war starten. Die Gruppen sind der BAS Tradition entsprechend nach ihren Schlitten benannt, daher war die erste Gruppe Sledge Alpha, die anderen dann Sledge Bravo, Charlie und Delta.

Angeseilt Schneemobil zu fahren, (Schnemobil-kurzes Seil-Schlitten-langes Seil-Schneemobil-kurzes Seil-Schlitten) erfordert etwas bung und viel Konzentration, weshalb wir einige kleine Unflle hatten, vor allem zu Beginn der Touren. Beim Aufbruch von Sledge Bravo hat es jemand fast geschafft, mit dem letzten Schlitten den Halley Wegweiser umzufahren (okay, okay, es war nicht jemand, sondern ich selbst.)

Der schiefe Wegweiser von Halley

Der schiefe Wegweiser von Halley (Photo Steve Clive)

Alle Touren fhrten in die Hinge Zone. Das ist die Gegend, in der das Eis vom antarktischen Kontinent herabgleitet und dabei viele Gletscherspalten und Verwerfungen bildet. Es ist eine beeindruckend schne Gegend, die viele Mglichkeiten zum Erkunden bietet. Unser Zeltplatz war etwa 40 km von der Station entfernt. Das Camp besteht aus zwei Pyramidenzelten. Neben dem Vorderen kann man auf dem Photo die Antenne fr das Funkgert erkennen. Einmal am Tag melden wir uns ber Funk auf der Station, damit sie dort wissen, dass alles in Ordnung ist. Im Hintergrund sieht man die Schneemobile, die mit einer Zeltplane abgedeckt sind, damit sie, falls ein Sturm aufkommt, nicht vom Schnee zugeweht werden. Alle notwendigen Ausrstungsgegenstnde befinden sich in den hlzernen Boxen, die sich vor dem Zelt zu sehen sind. Sie sind so gefertigt, dass sie genau auf die Nansen Schlitten passen (im Hintergund rechts).

Eines der beeindruckensten Dinge, wenn man hier zeltet, ist die vllige Stille, falls es einmal windstill sein sollte. Eine solche Stille kann man zu Hause in der blichen Hektik des Alltags nie erleben.

Camp in der Hinge Zone

Camp in der Hinge Zone (Photo Vanessa OBrien)

Innen in einem Pyramidenzelt ist es nicht so kalt, wie man erwarten wrde, besonders dann nicht, wenn man seine Petroleumlampe und den Primuskocher brennen hat. Ian hat uns stolz von Temperaturen zwischen plus 35 Grad Celsius (auf Kopfhhe, das ist auch der Platz, an dem man seine Innenschuhe zum trocknen und aufwrmen aufhngt) und minus 18 Grad Celsius (nachts) in seinem Zelt berichtet. Craig hat herausgefunden, dass man hier keinen Korkenzieher bentigt, weil der gefrierende Wein die Korken aus den Flaschen gedrckt hat.

Im Pyramidenzelt: Jeff, Ian, Frances und Miriam

Im Pyramidenzelt: Jeff, Ian, Frances und Miriam (Photo Jeff Cohen)

Wenn man morgens aufwacht, ist es ganz schn schwer, den inneren Schweinehund zu berwinden und aufzustehen, schliesslich ist es schn warm und kuschelig im Expeditionsschlafsack -aber sehr kalt im Zelt. Am besten ist, man setzt das Teewasser auf, ohne sich zu weit aus seinem Schlafsack zu bewegen (oder man wartet darauf, das der Zeltpartner das Wasser aufsetzt!).

Wenn das Wetter gut war, haben wir Wanderungen in der Hinge Zone unternommen. Dabei hatten alle die Gelegenheit, sich in eine Gletscherspalte abzuseilen und sich dort umzuschauen. Dies war fr mich einer der eindrucksvollsten Augenblicke der ganzen Tour, denn ich war noch nie in einer Gletscherspalte. Sie war von innen komplett mit grossen ganz regelmssigen Eiskristallen ausgekleidet. Das Licht war ausschliesslich blau und etwas gespenstig. Wieder war es vllig still, das einzige Gerusch kam von den herabfallenden Eiskristallen, ein helles leises Klingeln.

Eiskristalle in einer Gletscherspalte

Eiskristalle in einer Gletscherspalte (Photo Miriam Iorwerth)

Jamie und Frances in Gletscherspalten Jamie und Frances in Gletscherspalten

Jamie und Frances in Gletscherspalten (Photos Matt Butters und Jeff Cohen).

Sledge Delta konnte wegen des schlechten Wetters zuerst nicht aufbrechen. Deshalb mussten sie zunchst einige Tage auf der Station verbringen. Simon (unser Stationsleiter fr den Winter) nutzte die Zeit, um seinen Papierkram auf Vordermann zu bringen. (Siehe Photo).

Simon in seinem Bro

Simon in seinem Bro (Photo Matt Butters)

Hinter den Kulissen in Halley

Viele Leute haben mich whrend der letzten Monate gefragt, woher wir eigentlich unser Wasser bekommen, deshalb mchte ich es in diesem Tagebuchabschnitt beschreiben. Ausserdem ist es eine Menge Arbeit und obwohl nicht so aufregend, wie Gletscherspalten zu erkunden, ist es ein Teil unseres tglichen Lebens.

Die Station ist auf dem Schelfeis gebaut, das aus Ssswasser besteht. Um das Eis zu schmelzen, haben wir den Schmelzwassertank, der frher direkt unter der Oberflche lag. Weil sich an der Oberflche in der Zwischenzeit viel Schnee angesammelt hat, liegt der Tank nun tief unter dem Eis begraben und ist mit der Oberflche durch eine lange (und enge) Schute verbunden. Jeden Morgen machen sich vier Personen auf, Schnee in die ffnung der Schute zu schaufeln. Einmal die Woche schiebt Gareth einen Hgel aus Schnee mit dem Bulldozer um diese ffnung, es ist also nicht alles Handarbeit. Trotzdem kann es ziemlich unangenehm sein, bei 30 Knoten Windgeschwindigkeit Schnee zu schippen. Wenn man richtig Pech hat, verstopft die Schute mit Schnee, dann muss jemand zum Schmelzwassertank herunterklettern, um das Rohr wieder frei machen.

Craig and Gareth schippen Schnee fr den Schmelzwassertank Craig and Gareth schippen Schnee fr den Schmelzwassertank

Craig and Gareth schippen Schnee fr den Schmelzwassertank, Gareth macht eine kurze Pause, damit ich dieses Photo aufnehmen kann (Photos Petra Schmidt)

Diesen Monat wurde der ganze Schnee, der sich um den Tank angesammelt hat, herausgeschafft, was eine gute Gelegenheit war, dort unten Photos zu machen.

Jamie, auf dem Schmelzwassertank stehend, kontrolliert die Schute

Jamie, auf dem Schmelzwassertank stehend, kontrolliert die Schute (Photo Miriam Iorwerth)

Um den Wassertank herum kann man eindrucksvolle Demonstrationen der Kraft des sich bewegenden Eises sehen: Es zerbricht die hlzernen Balken und verbiegt das Metall, mit dem die Wnde vergekleidet sind.

Wir versuchen natrlich Wasser zu sparen, wo immer wir knnen, so sind z.B. Duschen extrem kurz und Waschmaschinen immer randvoll etc.

Geburtstage im Mrz

Hier in Halley mssen wir fr unser eigenes Unterhaltungsprogramm sorgen und knnen nicht mal eben ins Kino gehen oder Freunde in der Kneipe treffen. Deshalb sind natrlich Geburtstage immer Anlass fr eine Feier.

Diesen Monat haben wir zwei Geburtstage gefeiert: Der erste war Mikes, der einen grossen Schokoladenkuchen, mit einem Marzipanmodell eines Zeltlagers darauf, bekam.

Mikes Geburtstag und -Kuchen Mikes Geburtstag und -Kuchen

Mikes Geburtstag und -Kuchen (bitte mit dem Original Camp oben vergleichen) (Photos Mike Rooney)

Frances Feier war ein Kindergeburtstag, komplett mit Clown, Piata (mit Sssigkeiten gefllte Papierpuppe, hier aus Gips) und vielen Luftballons. Der Clown hat sogar versucht einige Luftballonfiguren zu machen, die sind aber nicht doll geworden, so dass ich sie hier besser nicht zeige.

Clown Craig und die Pinguin Piata vor ihrer Zerstrung Clown Craig und die Pinguin Piata vor ihrer Zerstrung

Clown Craig und die Pinguin Piata vor ihrer Zerstrung (Photos Frances Williams) und Matt mit Luftballons

Unsere geschtzten Leser werden sich fragen, was die Antwort auf Hocs Frage war (siehe Januar Tagebuch, Hoc of Halley, letzte Zeile): Die Antwort war natuerlich JA

Herzliche Glckwnsche von allen in Halley!

Liebe Grsse an meine Familie und Freunde zu Hause

Petra

Petra Miriam

Die Autorin dieses Tagebuchabschnittes nach ihren Anstrengungen diesen zu schreiben (Photo Ian Coxan) sowie Ostergrsse von Miriam (Photo Petra Schmidt)